27.10.2026
Am Sonntag, den 25. Oktober 2026 lud die Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen zur Eröffnung der Sonderausstellung "Unter den Teppich gekehrt" ein. Diese setzt sich mit NS-Täterschaft und dem gesellschaftlichen Umgang mit den NS-Verbrechen nach 1945 auseinander.
2023 zeigte Manfred Blieffert in seiner Ausstellung "Parolen aus dem Koffer" bereits unterschiedliche Formen lokalen Widerstands gegen das NS-Regime, angeregt durch die Forschungen des Osnabrücker ILEX-Kreises, einer Gruppe ehrenamtlicher Historiker:innen. ILEX war das Synonym von Josef Burgdorf, Chefredakteur der Osnabrücker "Freien Presse", unter dem er bissige Satiren gegen die Nazis veröffentlichte. Nach der Veröffentlichung des Buches "Widerstand im Osnabrück der NS-Zeit" widmet sich der ILEX-Kreis derzeit unter dem Titel "Täter – Hetzer – Profiteure" dem Täterkomplex. Auf dieser Grundlage ist "Unter den Teppich gekehrt" entstanden. Manfred Blieffert greift darin u. a. typische Redewendungen auf - etwa "Davon haben wir nichts gewusst", "Da wächst Gras drüber", "Ich habe eine weiße Weste" - und übersetzt diese in künstlerische Objekte. Die zentrale Installation beschäftigt sich mit dem Verschweigen und Verdrängen, dem sprichwörtlichen Kehren unter den Teppich. Besuchende können selbst entscheiden, ob sie darunter nachsehen und die auf Zettel abgedruckten Täterbiografien lesen möchten.
Dr. Michael Gander, Geschäftsführer des Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht e.V., begrüßte bei der Eröffnung die über 90 anwesenden Gäste. "Besuchende müssen selbst entscheiden, wie intensiv sie sich mit den durch die Ausstellung aufgeworfenen Fragen auseinandersetzen wollen. Damit leistet die Ausstellung wichtige Impulse für die regionale Erinnerungskultur."
Heiko Schulze, Mitglied des ILEX-Kreises, gab in seiner folgenden Rede einen Einblick in die Arbeit seiner Forschungsgruppe zum NS-Täterkomplex in Osnabrück. Er betonte außerdem die mehr als positiven Verhältnisse für ehemalige Täter in der Nachkriegszeit: die schnelle Wiedereingliederung in Politik und öffentlichen Dienst, Persilscheine und Amnestiegesetze, die vielen sogenannten 131-Fälle.
Manfred Blieffert stellte darauf seine 16 Einzelwerke und deren jeweilige Intention vor. "‘Unter den Teppich gekehrt‘ ist eine Ausstellung über das Wegsehen, Verharmlosen, Verdrängen, Wegwischen, Nicht-Wahrhaben-Wollen, weist aber selbst keine Schuld zu."
Für die musikalische Untermalung der Vernissage sorgten die beiden Musiker Andreas Müller und Dillen mit Kontrabass und Mischpult. Sie präsentierten in kreativer Remixform Auszüge aus Goebbels Sportpalastrede, dem Badenweiler-Marsch - Hitlers Lieblingsmarsch - sowie dem Neckermann Werbeslogan.
"Unter den Teppich gekehrt" ist bis 28. Februar 2027 während der Öffnungszeiten der Gedenkstätte Augustaschacht zu sehen. Der Eintritt ist frei.
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